Christlicher Seniorenbund Immanuel Laatzen e.V.

Hier lesen Sie die Vorab-Veröffentlichung des Leitartikels, der von unserem ersten Vorsitzenden,  Dr. Werner Läwen, verfasst wurde und in unserer Seniorenpost Nr. 41

im Mai 2021 erscheinen wird.

 

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde des Chr. Seniorenbundes!

 

Was kann der Chr. Seniorenbund noch tun für Sie in diesen traurigen Zeiten? Manchmal haben wir vom Vorstand den Eindruck, dass wir unser Pulver verschossen haben. Unsere kleinen Aufmerksamkeiten bei Geburtstagen sind ja schon Tradition. Zuletzt haben wir mit der großen Torten-Aktion versucht, Ihr Stimmung aufzuhellen und den Kontakt zu halten. Gerade unsere alleinstehenden Senioren leiden besonders unter Isolierung und Kontaktverlust. Neulich begegnete mir eine Dame aus dem Seniorenbund und sagte nach kurzem Gespräch: „Sie sind heute der erste, mit dem ich reden kann!“

Wir möchten daher eine kleine Kontaktbörse einrichten. Wenn Sie eine Gesprächspartnerin/einen Gesprächspartner für Telefongespräche, eine gelegentliche Tasse Kaffee oder einen Spaziergang zu zweit suchen, rufen Sie uns an. Wir nehmen Sie in eine Liste auf und versuchen, Kontakte zu vermitteln (Tel. 0511-879 1650).

 

Aber wie geht es nun weiter mit unseren Reisen? Was wird aus den mehrtägigen Fahrten, wenn die Coronafälle wieder zunehmen? Können wir es wagen, Busfahrten anzubieten? Wir sind auch nicht schlauer als Sie. So wie es bei Redaktionsschluss aussieht, können wir die geplante Fahrradtour vom 3.-6. Mai rund um Brandenburg vergessen. Wir bleiben aber zäh und verschieben sie in den Juni. Hoffentlich klappt es dann. Die Fahrten zur Insel Rügen im Juli und an die Mosel im August sollten aber möglich sein, ebenso die Wanderfreizeit am Ederstausee im September. Schließlich werden wir Senioren dann alle geimpft sein. Die Flusskreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg im Juli wäre ja ein Höhepunkt für dieses Jahr. Wir werden sehen, wie die Einreisebestimmungen nach Russland dann aussehen. Die Teilnehmer werden von mir informiert, sobald wir näheres wissen.

 

Einige Kleingruppen warten ebenfalls ungeduldig auf das Startsignal. Die Computergruppe von Gunnar Barovic ist per Video schon wieder aktiv, das Gedächtnistraining sollte bereits im März starten, spätestens aber im April, hier wird eine zweite Gruppe eröffnet, man kann sich noch anmelden. Für alle anderen Gruppen müssen wir Sie auf unsere monatlichen Einladungen verweisen.

 

So stochern wir mit unserem Programm weiter im Nebel und es ist uns klar, dass bei uns allen die Dauer der Krise an den Nerven zehrt. Wir brauchen einfach den persönlichen Kontakt. Daher möchten wir ab Mai – wie schon im Vorjahr – unter Beachtung der Corona-Auflagen eine Vielzahl kleiner Treffen anbieten. Jeweils am Freitag 14.00 Uhr treffen sich die Fahrradfreunde zu einer 20-30 km Tour. Der genaue Treffpunkt wird in der monatlichen Einladung bekannt gegeben. Jeweils am Sonnabend 14.00 Uhr treffen sich die Spaziergänger zu ein- bis eineinhalbstündigen Rundgängen, hoffentlich bei einer Tasse Kaffee in einem Gartenlokal.

 

Sie sehen, wir haben noch nicht kapituliert und freuen uns auf ein Wiedersehen!

 

Bis dann

Im Namen des Vorstandes

Dr.Werner Läwen

 

 

 

 

 

Unsere große Tortenaktion

 

Was kann man tun für die Mitglieder unseres Seniorenbundes in dieser schwierigen Zeit? Wie können wir einmal alle erreichen, die Nahen und die Ferneren? Im Frühjahr 2020 hatten wir über 100x eine Pizza verteilt, das war gut angekommen, aber wieso bekommen 340 Mitglieder keine Pizza?

Als nun das Elend der Coronazeit sich immer mehr in die Länge zog und die dritte Welle anhob, da entschieden wir uns für einen Clou: Alle, die wollen, sollen ein Stück Torte bekommen. Und weil eine Torte allein nur ein halbes Vergnügen ist, sollen es in der Regel zwei Stück Torte sein, „für eine gemütliche Kaffeestunde zu zweit“. So stand es auf einem Sticker, mit dem wir die Tortengaben verzierten. Damit wollten wir im Rahmen des Erlaubten zur Kommunikation im kleinen Kreise anregen, etwas gegen die Einsamkeit tun.

Es kam noch etwas hinzu: Im Jahre 2019 hatten wir mit einer Einladung das neu eröffnete Café Karthaus am Kaufland-Center unterstützt und bemerkt, welch leckere Torten dort angeboten wurden. Es entstand eine freundschaftliche Beziehung zur Familie Karthaus und wir bekamen Einblick in die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Cafés, das seit November geschlossen ist.

Also schlossen wir eine Vereinbarung, dass ab Anfang Februar Woche für Woche jeweils am Freitag und Sonnabend 4-6 Torten, verpackt zu jeweils ein oder zwei Stück(en) an uns ausgeliefert wurden, insgesamt 30 Torten, also 360 Stücke!

 

Und dann ging es ans Werk: Ab Mittwoch waren Marianne Thiede und ich damit beschäftigt, ein Mitglied nach dem anderen anzurufen mit der Frage: Mögen Sie Torte? Sie glauben es nicht, diese Telefonaktion dauerte länger als das Verteilen der Torten. Ca. 20% lehnten das Geschenk ab, zum Teil wegen Zucker, zum Teil aus Angst vor Corona oder weil man kein Geschenk annehmen wollte. Dafür freuten sich die anderen 80% umso mehr. Viele gaben gleich durch, wen Sie für die Kaffeestunde einladen wollten. Andere erklärten, sie könnten auch zwei Tortenstücke verkraften. Aber fast immer herrschte fröhliche Stimmung am Telefon.

 

Und dann ging es los: Freitag 9.50 Uhr Marianne Thiede und ich vor Café Karthaus, bewaffnet mit Tablett und Kisten sowie genauen Anfahrtsskizzen. Wir starteten in Alt-Laatzen, da kannten wir uns am besten aus, dann kam Laatzen-Mitte, schließlich Grasdorf, Rethen, Gleidingen und Ingeln-Oesselse. Ja, und dann wurde es abenteuerlich: An einem Tag ging die Verteilaktion über Harkenbleck, Hemmingen, Devese, Hüpede, Schulenburg, Jeinsen und Koldingen. Zum Glück schien die Sonne und die Beschenkten freuten sich besonders, dass auch sie „so weit weg von Laatzen“ nicht vergessen wurden. Die letzte Tour ging durch das südliche Hannover, da haben wir uns auch verfahren und dann hatten wir die Nase voll. Glücklich über die gelungene Aktion, aber auch erledigt. Unsere Mitlieder im nördlichen Hannover, Langenhagen etc. müssen uns verzeihen: Einmal nach Langenhagen und zurück für zwei Stück Torte, das schien uns ökologisch eine Sünde.

 

Viele haben uns mit kleinen Gegengeschenken überrascht, aber alle mit freundlichen Worten. Wir haben viel gelernt, wo und wie unsere Mitglieder wohnen. Ein Dank geht an Klaus Schlüter, der uns zeitweilig beim Verteilen geholfen hat. Und ein besonderer Dank geht an die beiden Großspender, die die ganze Sause bezahlt haben, sie haben sich einen Fensterplatz auf Wolke sieben verdient.

 

Marianne Thiede und Werner Läwen

 

 

 

 

 

 

 

Unser Sorgentelefon

 

 

Vor Jahren habe ich bei der Telefonseelsorge in Hannover mitgearbeitet. So funktioniert unser Sorgentelefon nicht. Es funktioniert besser. Offensichtlich haben Marianne Thiede und ich die Botschaft senden können: Wir kümmern uns! Dementsprechend trauen sich immer mehr Mitglieder des Seniorenbundes, uns ihre kleinen und großen Sorgen anzuvertrauen und das ist gut so.

 

Viele haben uns angerufen, um mitzuteilen, dass sie einen Impftermin haben, was für eine Erleichterung! Andere bedanken sich für einen Geburtstagsgruß oder die Tortenspende. Ernster sind die Anliegen von Bewohnern in Pflegeheimen, die sich von allen guten Geistern verlassen fühlen, zum Teil sogar eingesperrt in ihren Zimmern, heimatlos. Menschen, die bemerken, wie sie körperlich und geistig einrosten. Bei anderen geht es um die Einstufung in der Pflegeversicherung, bei der wir helfen können oder es geht um einen kleinen Spaziergang zu zweit.

 

Es muss auch nicht am Telefon sein: Neulich sprach mich eine Dame auf der Straße an: „Sie sind der erste Mensch, mit dem ich heute reden kann“. Andere berichten, dass sie oft den ganzen Tag niemanden haben, den sie etwas fragen oder dem sie etwas sagen können: Die Kinder weit weg und mit sich selbst beschäftigt, Ehemann und Freunde gestorben. Auf die Frage: Was machen Sie denn so im Laufe des Tages, antwortete eine andere Dame: „Fernsehen, den ganzen Tag“.

Es ist ein Elend mit dieser Zeit, gerade auch für uns ältere Menschen. Bei uns ist der Alltag nicht so getaktet wie in früheren Jahren und nun fallen auch noch die alltäglichen kleinen und großen Begegnungen mit Nachbarn und Freunden weg. Ausflüge sind abgesagt, an Urlaub ist nicht zu denken.

 

So ist auch zu erklären, dass sich auf die Einladung zu einem kleinen Spaziergang und einer Fahrradtor vor Ostern viele, viele gemeldet haben. Endlich raus, endlich unter Menschen. Aber wie machen, wenn Gruppentreffen verboten sind? Wir haben die großen Gruppen in Zweiertreffen zerlegt, eine Notlösung, aber immerhin.

 

Und das Fazit: Trauen Sie sich ruhig, Mal unter Tel. 879 1650 oder 87 62 00 anzurufen, wenn Ihnen danach zumute ist. Sie wissen doch: Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen!

 

 

Dr. Werner Läwen